... gibt dir am Ende einen Beispielprompt, mit dem du die Hermine in ChatGPT wecken kannst.
Liebe KI-Fans,
wenn ich mit ChatGPT rede, habe ich manchmal das Gefühl, ich spreche mit Dumbledore und Hermine. Der eine weiß alles, die andere denkt schnell und kombiniert klug. Irgendwann wurde mir klar: Genau so funktioniert KI. Und wer das versteht, bekommt bessere Ergebnisse.
Zwei Charaktere – beide sind KI
Wenn wir mit KI interagieren, fühlt es sich oft an, als würden wir mit einer Person sprechen. Aber eigentlich sind es zwei – mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen.
Dumbledore ist der Gelehrte. Er hat alles frei verfügbare Wissen gelesen. Wenn du ihn etwas fragst, bekommst du die destillierte Zusammenfassung dieses Wissens zurück. Das ist toll, solange du etwas wissen willst, das es schon gibt. In der KI-Fachsprache würde man sagen, er greift auf das in den Gewichten des Modells gespeicherte, also parametrisierte Wissen zurück.
Und damit zu Hermine. Sie kann Informationen schnell erfassen, denkt logisch, kombiniert und zieht Schlüsse. Aber sie weiß weniger von der Welt. Sie braucht deinen konkreten Input. (Und ja, Hermine weiß in Harry Potter natürlich auch schon sehr viel. Aber ihr versteht den Punkt.) Sie repräsentiert also das kontextbasierte Schlussfolgern – sie nutzt deine Informationen, um Zusammenhänge herzustellen und neue Schlüsse zu ziehen.
Die technische Struktur großer KI-Sprachmodelle bringt es mit sich, dass beide untrennbar miteinander verbunden sind. Wenn ihr also mit Hermine sprecht, ist Dumbledore immer dabei. Und genau dieses Zusammenspiel macht KI so faszinierend – und manchmal auch so herausfordernd.
Ein einfaches Beispiel aus der Praxis
Stellt euch vor, ihr arbeitet an einem Change-Projekt. Ihr fragt die KI:
„Erstelle ein Konzept für Change-Kommunikation.“
Auf diesen Prompt werdet ihr vor allem eine Antwort von Dumbledore bekommen. Er wird euch eine saubere Zusammenfassung aller bekannten Change-Modelle liefern: ein bisschen Kotter, ein bisschen Storytelling, ein bisschen interne Kommunikation. Korrekt – aber eben generisch.
Hermine wird in diesem Moment kaum aktiviert werden. Wenn man sie aktivieren will, muss man ihr viel mehr Kontext geben: Wo steht ihr gerade? Welche Sorgen gibt es im Team? Wie tickt eure Kultur? Was habt ihr schon ausprobiert – was nicht? Dann kann sie aus diesen Puzzleteilen etwas machen, das wirklich zu euch passt. (Unten im Newsletter findet ihr einen ausführlicheren Beispielprompt für diesen Fall.)
👉 Im Unternehmenskontext, wo wir spezifische Voraussetzungen haben und Entscheidungen treffen müssen, wird Hermine uns viel weiterbringen als Dumbledore. Mehr Kontext → mehr Hermine → mehr Relevanz.
Warum das auch die Forschung beschäftigt
Genau an diesem Punkt arbeiten gerade die besten KI-Forscher der Welt. Die heutigen Modelle sind riesig, weil sie auf dem gesamten Wissen des Internets trainiert wurden. Dieses Wissen – also Dumbledore – ist notwendig, damit Hermine überhaupt existieren kann.
Aber der eigentliche Traum ist, ein Modell zu bauen, das wirklich denken kann – ein fast reines Hermine-Modell, das logisch schlussfolgert, ohne den Ballast all des gespeicherten Wissens mit sich herumzutragen.
Einer der bekanntesten KI-Experten, Andrej Karpathy, hat das so formuliert:
„Unser unzuverlässiges Gedächtnis ist kein Fehler, sondern ein Feature – es zwingt uns, nur das zu lernen, was sich verallgemeinern lässt. Sprachmodelle hingegen werden von all dem Wissen abgelenkt, das sie aus ihren Trainingsdaten gespeichert haben. Deshalb möchte ich, wenn ich vom kognitiven Kern spreche, eigentlich das Gedächtnis entfernen. Ich hätte gern Modelle, die weniger erinnern – damit sie Dinge wieder nachschlagen müssen und nur die Algorithmen des Denkens, das Prinzip des Experimentierens und all diesen kognitiven Klebstoff zum Handeln behalten.“
Was für ein faszinierender Gedanke. Echte Intelligenz entsteht erst, wenn man das Wissen beiseite schiebt – und wirklich denkt (hier das ganze Interview).
Was bedeutet das für euch?
Wir alle haben Dumbledore in unseren Chats. Aber der eigentliche Fortschritt entsteht, wenn wir lernen, Hermine zu aktivieren. Je klarer ihr euren Kontext beschreibt – eure Branche, euer Ziel, eure Zielgruppe, eure Kultur – desto stärker werdet ihr die Hermine-Seite der KI aktivieren. Je weniger Kontext ihr gebt, desto lauter spricht Dumbledore.
Und zweitens: In der Entwicklung neuer praktischer KI-Anwendungen wird Kontext der entscheidende Erfolgsfaktor sein. Je besser Systeme euren individuellen Kontext verstehen – also euer Unternehmen, eure Sprache, eure Daten – desto größer der Nutzen.
Denn Wissen ist gut. Aber Denken ist besser.
Dein
Über den Autor: Frank Wolf ist Mitgründer der Employee Experience Plattform Staffbase. Als Chief Strategy Officer widmet er sich Zukunftstrends in der Unternehmenskommunikation, hat kürzlich sein zweites Buch „The Narrative Age“ veröffentlicht und gilt als Vordenker beim Einsatz von künstlicher Intelligenz in der Kommunikation.
Beispielprompt:
Du bist Hermine, meine logische Kommunikationspartnerin. Ich arbeite bei [Unternehmen X] in der [Branche]. Wir haben rund [Anzahl] Mitarbeitende und starten gerade ein Veränderungsprojekt, bei dem wir künstliche Intelligenz in der Kundeninteraktion einführen. Ziel ist es, Awareness und Bereitschaft für KI im Unternehmen zu erhöhen, Skepsis abzubauen und echtes Interesse zu wecken.
Ich gebe dir im Verlauf weitere Infos: unsere KI-Strategie, Einblicke in unsere Unternehmenskultur, das Organigramm, O-Töne aus Gesprächen mit Mitarbeitenden und eine Zusammenfassung der letzten Mitarbeiterumfrage. Bitte stell mir zuerst gezielte Rückfragen, falls dir Kontext fehlt. Ich werde dich im Verlauf noch zu spezifischen Punkten eine eigene, tiefe Recherche machen lassen, schlag mir gerne Punkte vor an denen du das als sinnvoll betrachtest.
Als Output erwarte ich einen Vorschlag, wie du Top-Level die Kommunikationsstrategie strukturieren würdest. Wenn du mehrere Optionen siehst, beschreibe sie kurz und wir diskutieren den weiteren Ablauf zusammen. Erst danach gehen wir tiefer in die Umsetzung.
3 weitere KI-Trends:
📣 Autonome KI-Agenten: KI-Systeme handeln zunehmend selbstständig (werden also zu Hermines) und übernehmen Aufgaben in Kommunikation und Content-Produktion.
📣 Wachsende Akzeptanz von KI: Immer mehr Unternehmen sehen KI als Wettbewerbsfaktor. Dies erhöht den Erwartungsdruck auf Kommunikationsteams, den KI-Einsatz zu erklären und glaubwürdig zu begleiten.
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