... kannte das Wort Zentaur bisher nur aus der griechische Mythologie. Seit Léa Steinackers Vortrag ist es sein nächstes Ziel.
Hallo liebe IKone,
wann hast du zuletzt einfach mal aufgehört nachzudenken – und einfach nur zugehört? Den Neujahrsempfang Unternehmenskommunikation 2026 durfte ich Anfang Januar moderieren. Und habe dabei selbst etwas gelernt!
Und zwar von Dr. Léa Steinacker. Eine Forscherin, die sich seit Jahren mit der Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine beschäftigt. Und eine Unternehmerin, die eine Frage in den Raum gestellt hat:
„Bist du eigentlich pro oder contra KI?”
Léas Antwort: „Das ist ungefähr so, als würde man mich fragen, ob ich für oder gegen Elektrizität bin."
Da musste ich schmunzeln. Und dann nachdenken.
Warum mich das Zentaur-Modell überzeugt hat:
Léa sprach von „Co-Intelligenz": nicht KI statt Mensch, nicht Mensch trotz KI, sondern eine bewusste Kombination aus beidem. Angelehnt an das Bild des Zentauren: Menschlicher Kopf, maschinelle Kraft.
Sie hat dieses eingängige Modell mit drei konkreten Leitfragen unterfüttert, die ich seitdem tatsächlich nutze, gestützt auf die sogenannte Jagged-Frontier-Studie der Harvard Business School, die zeigt: KI verbessert Ergebnisse nur dann, wenn sie richtig eingesetzt wird. Falsch eingesetzt macht sie uns schlechter.
Deshalb frage ich mich vor jeder neuen Aufgabe aufs Neue:
Braucht diese Aufgabe Urteilskraft, Kontext oder Verantwortung?
Dann bist du in der Führungsrolle. KI darf unterstützen, aber nicht übernehmen.
Braucht diese Aufgabe Ideenvielfalt oder neue Perspektiven?
Dann ist KI ein exzellenter Sparringspartner. Vor allem, um dich aus deinem eigenen Silo zu befreien.
Braucht diese Aufgabe Menschlichkeit?
Konflikte, Kultur, Vertrauen oder Empathie. Das ist keine Prompt-Aufgabe. Das bist du.
Léa zitierte die sogenannte „Cybernetic Teammate"-Studie der Harvard Business School. Das Ergebnis: Menschen empfinden die Zusammenarbeit mit KI oft als angenehmer als die mit anderen Menschen. Warum? Weil die KI weniger Widerspruch gibt, wir uns nicht mit ihr streiten und wir auch nicht das Gefühl haben, dass die KI besser sein will als wir selbst (und ja, diese Gefühle hegen wir alle doch manchmal gegenüber unseren Kolleg*innen).
Schöne, heile Welt. Dachte ich. Aber dann sagte Léa: Wenn wir verlernen, mit Menschen produktiv zu ringen, verlieren wir etwas, das keine KI ersetzen kann. Léa nannte dasEnshittification. Mit KI wollen wir alle immer mehr und vor allem schneller. Aber eigentlich bleibt unsere Arbeit damit häufig nur Mittelmaß.
Mein Impuls für dich, den ich von Léa mitgenommen habe:
Nutze KI diese Woche einmal nicht, um schneller zu werden – sondern um besser zu denken. Drei Fragen, die dabei helfen:
„Welche Gegenargumente übersehe ich?“
„Welche Annahmen stecken in meinem Text?“
„Welche Perspektive fehlt und warum?“
So wird KI nicht zur Denk-Prothese, sondern zum Denk-Training.
Ein konkretes Beispiel aus meiner Praxis: Ich konzipiere seit knapp vier Jahren IK-Events im DACH-Raum und hatte gerade einen Einladungstext für eine neue Zielgruppe fertig. Persona definiert, Messaging durchdacht, Finger schon auf „Senden". Dann dachte ich: warum nicht noch einmal KI fragen – nicht um den Text zu schreiben, sondern um ihn zu hinterfragen. Welche Bedenken dieser Zielgruppe adressiere ich noch nicht? Welche Annahmen stecken implizit in meiner Formulierung? Was fehlt aus ihrer Perspektive? Was dann kam, hat mich überrascht. Nicht weil der Text schlecht war – sondern weil er noch besser werden konnte. Jede Iteration hat das Messaging geschärft. Das Ergebnis war nicht nur ein stärkerer Text, sondern ein präziseres Zielgruppenverständnis.
Und jetzt du:💬 Wo würdest du dir mehr „Co-Intelligenz“ wünschen und wo weniger KI-Autopilot? Ich freue mich auf deine Antwort.
Liebe Grüße
Über den Autor: Steven Stöber ist Marketing Manager bei Staffbase und seit knapp 4,5 Jahren Teil des Teams. Mit einem starken Fokus auf Events organisiert und moderiert er seit vier Jahren virtuelle und Onsite-Veranstaltungen rund um Interne Kommunikation und Employee Experience im DACH-Raum. Was ihn antreibt: der direkte Kontakt zu Expert:innen, von denen er täglich lernt – und deren Wissen er direkt in seine Arbeit einfließen lässt. Aktuell beschäftigt ihn vor allem eines: das Potenzial von KI und was Automatisierung für die Kommunikationsarbeit von morgen bedeutet.
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